„OH BOY“: Ich vermisse…

Ich vermisse deinen Blick, den aufrechten Gang und das perfekt gestylte Haar.
Ich vermisse die Art, wie du mit dem Kopf wackelst und dir grinsend auf die Unterlippe beißt, während du tanzt.
Ich vermisse das Augenrollen und dass du mich gern verurteilst- meistens dann, wenn du (nicht) merkst, wie ähnlich wir uns sind.
Ich vermisse die Möglichkeit dir zuzuhören
und zu fragen, ob alles ok ist.

Ich vermisse die Witze. Über Bücher, über Menschen und über dich – während ich dir Spitznamen gebe.
Ich vermisse Sprachnachrichten, die oft wenig Sinn ergeben, aber dadurch sinnvoll sind.
Ich vermisse das grüne Licht hinter deinem Namen, wenn ich sehe dass du online bist.
Ich vermisse die Möglichkeit dir zu schreiben,
auch wenn ich diese manchmal viel zu selten genutzt habe.

Ich vermisse die Tage an denen ich weiß, ich werde bald von dir hören, weil du dich immer meldest, sobald es wärmer wird.
Ich vermisse es, dass du früher als ich weißt, dass wir Fehler machen und es mir rechtzeitig bewusst gemacht hast.
Ich vermisse deine Stofftasche und zu wissen, dass darin sicher ein Dosenbier ist.
Ich vermisse die Möglichkeit,
dass wir uns scherzhaft weiterhin als Backup Plan nutzen, für den Fall im reiferen Alter noch Single zu sein.
Gleichzeitig vermiss ich die Möglichkeit dir zu sagen,
dass ich mir innerlich oft gewünscht habe, wir würden damit nicht bis dahin warten.

Ich vermisse deine Katze, die sich jedes Mal zu mir gesellt, als würde sie wissen, dass ich allergisch bin.
Ich vermisse es, mir deine Kleidung auszuborgen und zu wissen, dass ich sie dir nicht zurückgeben werde und du sie mir anschließend schenken wirst.
Ich vermisse es, mit dir zu Mainstream Songs zu singen, für die wir uns in der Öffentlichkeit schämen würden.
Ich vermisse die Möglichkeit dir diese Zeilen vorzulesen
und zu wissen dass du anschließend „Oh Boy“ sagen würdest.

Ich vermisse die Plätze, an die ich nicht mehr gehen kann, da dort dein Gesicht wohnt.
Ich vermisse die Leute, die ich durch dich kennengelernt habe, auch wenn es mir seit dem schwer fällt ihnen in die Augen zu schauen, da es ohne dich nicht dasselbe ist.
Ich vermisse die Zeit, bevor ich es erfahren habe, denn Ungewissheit und Wunschvorstellungen waren mir lieber, als die Tatsache.
Ich vermisse die Möglichkeit, dir zu danken,
dass du mir vor Augen geführt hast, dass ich etwas an meinem Leben verändern muss – auch wenn ich wünschte, du hättest es mir anders gezeigt.

Ich vermisse dich.
Ich vermisse die Möglichkeit, dir das persönlich zu sagen.

In loving Memory…
RIP, M.


An dieser Stelle gibt es diesmal keine Playlist. Stattdessen möchte ich die Ruhe nutzen.
Deshalb sind hier 60 Sekunden Stille – um kurz zu Schweigen und all denen zu Gedenken, die uns viel zu früh verlassen haben, aber in unseren Köpfen für immer da sein werden.


Dir oder jemanden den du kennst, geht es nicht gut?

Auch wenn alles manchmal ausweglos scheint, du nicht weiter weißt – es gibt immer verschiedene Möglichkeiten. Du bist nicht alleine und es ist nie zu spät, dir helfen zu lassen!
Es gibt Menschen, die sind gerne für dich da und wollen dir gerne zuhören, egal wie groß oder klein deine Krise für dich wirkt – anonym, rund um die Uhr und ohne dich dabei zu be- oder verurteilen.

Ich habe folgende Info- und Hilfe-Seiten entdeckt, die sich mit den Themen Lebenskrisen, Depressionen und Suizid beschäftigen und hierzu Hilfe anbieten:

Österreich:
Krisentelefone & Notrufnummern in Österreich
http://www.hilfe-in-der-krise.at
http://www.rataufdraht.at
Deutschland:
http://www.telefonseelsorge.de
https://www.frnd.de

6 Replies to “„OH BOY“: Ich vermisse…”

  1. Mega schön
    Mega ehrlich
    Mega deep…

    Danke

  2. ich hab gänsehaut und tränen in die augen. Egal was da passiert ist, ich würde dich jetzt gerne umarmen…

  3. Wunderschön geschrieben.

  4. Ich habe deine Zeilen gerade zufällig via Facebook gefunden.
    Aus ihnen lese ich Liebe, Verlust, Freundschaft und Reue heraus und eine Ahnung erfüllt mich.
    Worte können oft nicht genug ausdrücken, was man fühlt.
    Ich kenne dich nicht und ich kann nur vermuten, was da passiert ist, aber ich drücke dich mal unbekannterweise und wünsche dir alles Gute.
    Auf das dir die Änderungen in deinem Leben gelingen werden und du wieder glücklich wirst.
    Liebe Grüße, Aletheia

  5. Danke für das teilen deiner Gefühle, ich weiß das ist keine Selbstverständlichkeit für dich! Ich hab dich lieb und bin immer für dich da, auch wenn uns tausend Kilometer trennen! Ich bin sehr stolz auf dich und ich weiß, dass es Andere mit Sicherheit auch wären, mach weiter so …

  6. […] Nachdem ich einen, mir näherstehenden Menschen verloren hatte, kippte ich für einige Zeit in ein Tief. Dabei lernte ich Freundschaften mehr zu schätzen und dachte bewusster über mich und meinen Alltag nach. Ich realisierte, was die wichtigen Dinge für mich selbst sind und sein sollten und setzte mich direkt mit mir und meinen Gefühlen auseinander. Hierbei fiel mir immer wieder auf, wie surreal und unmenschlich sich viele nach außen geben und wie sehr auch ich, immer mehr zu einem „Plastik-Menschen“ geworden bin. Natürlich war an dieser Entwicklung so mancher künstlich wirkende Blog oder Instagram-Account nicht ganz unbeteiligt. Leicht lässt man sich nämlich täuschen und vergisst, dass die Internet-Inszenierung einiger fern von ihrem tatsächlichen Alltag ist – und orientiert sich dann fälschlicherweise trotzdem daran. […]

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