FOREVER YOUNG | Mutig wie unser inneres Kind

Lex Tyler, "FOREVER YOUNG". © 2017, Melanie Asböck

Als wir Kinder waren, gab es kaum Grenzen in unserem Denken. Disney spielte uns vor, dass nichts, absolut gar nichts, unmöglich sei. Damals reichte allein unsere Fantasie aus, um unsere eigene Realität zu erschaffen: Papa ist der stärkste Mann der Welt und Mama kann Schmerzen heilen; den Weihnachtsmann haben wir beim Geschenke bringen zufällig immer verpasst und unsere geliebten Spielsachen waren für uns lebendig. Auf die Frage „Was willst du werden, wenn du groß bist?“, schoss uns damals auch sofort eine Antwort aus dem Mund: Schauspieler-In, Pilot-In, Fußballspieler-In, Tierarzt/Tierärztin, Prinz/Prinzessin,…
Und, hat sich euer Traumberuf verwirklicht oder hat euch auch jemand gezwungen, irgendwann „aufzuwachen“?

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

Wieder Kind: „…ich schaff das sicher!“

Manche Wünsche kann man sich sehr wohl erfüllen – um euch das zu beweisen, nehme ich euch mit auf eine kleine Zeitreise:
Als Kind hatte ich einen besonders großen Traum – nein, ich rede nicht vom Hogwarts-Brief, auf den ich noch heute sehnsüchtig warte – noch mehr als alles andere wollte ich immer Sänger sein. Schon als Kleinkind sang ich ständig und konnte mir die Songtexte im Radio besser merken als meinen eigenen Namen. Während ich die Hauptrolle in unserem Schul-Theaterstück spielen durfte, bekam ich zum ersten Mal die Chance vor Publikum zu singen. Der Applaus machte süchtig und ich hatte Blut geleckt. In meinem Kinderzimmer malte ich mir täglich aus, wie es wohl sein wird, wenn ich endlich auf großen Bühnen stehe. Gleichzeitig war ich fest entschlossen, Musik zu meinem Lebensinhalt zu machen.

Ich meldete mich selbstständig bei allen möglichen Gesangswettbewerben an, stahl jeder Restaurantband das Mikrofon und verpflichtete jeden Besucher bei uns zuhause, mein einstündiges Wohnzimmerkonzert mitzuerleben. Zugegeben, im Nachhinein betrachtet, war Klein-Lex sicher unfassbar nervig und ich verstehe, warum meine Eltern ständig versucht haben, mir neue Hobbys anzugewöhnen – doch mein Hunger nach dem Rampenlicht war wie eine Droge, den kein Ball, Spielplatz oder Gameboy gleichwertig stillen konnte. Nichts konnte mich stoppen.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

Nachdem ich so gut wie jede Bühne stürmte, die sich nicht vor mir verstecken konnte, wurde mein Luftschloss schließlich Realität. Ein Video einer meiner Auftritte landete in den richtigen Händen. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Kids wurde ich zur Teilnahme einer bekannten TV-Talentshow eingeladen. Bei mehreren tausend Einsendungen war ich unter den wenigen Auserwählten, die hier auftreten durften. Während der Fernsehsendung wurde mir humorvoll die Frage gestellt, ob ich mir das mit der großen Gesangs-Karriere nicht noch einmal überlegen wolle – die Antwort kam selbstsicher, wie aus der Pistole geschossen: „Nein, ich brauch mir nichts zu überlegen, ich schaff das sicher!“

Zwar gewann ich den besagten Contest nicht, doch für mich lag der Sieg woanders: Ich hatte es in kürzester Zeit aus meinem Kinderzimmer ins Fernsehen geschafft und war meinen Zukunftsplänen ein Stück näher gekommen. Mein Kampfgeist war noch stärker geworden und das Wort „aufgeben“ kannte ich nicht. Meine Zielstrebigkeit musste nicht lange auf Belohnung warten: Die CD unserer TV-Songs wurde mit 3-fach Platin ausgezeichnet. Es folgten etliche Anfragen für diverse Solo-Auftritte und nun hatten mich auch Plattenfirmen auf dem Radar. Kurz darauf unterschrieb ich (durch meine Eltern), meinen ersten Plattenvertrag bei Universal Music Austria.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

Knapp daneben ist auch vorbei.

Ich ruhte mich auf meinen Lorbeeren aus und war mir zu sicher, nun am Ziel angekommen zu sein – bis die Blase plötzlich platzte… Mein Album floppte, mein Vertrag lief aus, Verkaufszahlen besiegelten mein Versagen und ich musste nach den Regeln der Erwachsenen spielen. Für mich war es vorbei. Am Boden zerstört verlor ich jeden Glauben an mich selbst und vergaß jeden Gewinn den ich auf meinem bisherigen Weg errungen hatte. Ich musste wieder bei Null anfangen.

In der Zwischenzeit war ich älter geworden und jedes Mal wenn ich mich aus meinem Sumpf rausziehen wollte, band mir jemand einen schweren Stein an die Beine, indem man mir sagte: „DU BIST JETZT ERWACHSEN, ALSO SEI REALITSICH!“ Waren meine Erfolge als Kind nicht realistisch? Auf alle Fälle war die Angst wieder zu Versagen greifbarer, als der nächste Plattenvertrag.
Partys und falsche Freunde wurden mein neuer Lebensinhalt und von meiner kindlichen Motivation war jeder Funken ausgelöscht. Ich hatte mein Rampenlicht selbst abgedreht und war mittlerweile ein Meister im Zeitverschwenden geworden.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere.

Dennoch brauchte ich einen Zufluchtsort, wenn mich der Alltag erdrückte. Ich traute mich zwar nicht mehr auf irgendeine Bühne, aber ich tastete mich an eine neue Beschäftigung heran – dem Schreiben. Ich begann Tagebuch zu führen und all meine Gedanken zu Papier zu bringen. Während ich mir musikalisch vor lauter Selbstzweifel nicht mehr zutraute, als ein „Privatkonzert“ in der Dusche, hatte ich hier einen Weg gefunden, ein neues Hobby auszureifen. Hierbei hatte ich ebenfalls die Möglichkeit für mich entdeckt, bisherige Erfahrungen zu verarbeiten und das Schreiben als Art „Selbsttherapie“ zu nutzen.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

Mittlerweile habe ich begriffen, dass mein kindlicher Mut mich damals an meine Ziele gebracht hat. Einfach tun, anstatt sich mit zu viel Nachdenken zu bremsen. Angst vor Versagen hat hier keinen Platz. Ihr denkt: Meine Geschichte war reine Glückssache und hat nichts mit euch zu tun? Dann zur besseren Veranschaulichung etwas Allgemeineres: Wenn ein Kind gehen lernt, fällt es unfassbar oft hin – dennoch steht es immer wieder auf und versucht es erneut. Einen Fuß vor den anderen setzen, egal wie sehr der letzte Sturz wehgetan hat. Können wir dadurch nicht eigentlich von uns selbst lernen? Wir hatten doch alle schon unsere kleineren oder auch größeren Erfolge. Wenn wir uns eher an unsere Triumphe, als an unsere Verluste zurück erinnern – vielleicht gelingt es uns dann besser, nach dem Fall aufzustehen. Schritt für Schritt, bis wir schließlich laufen.

Auch diesmal gibt es wieder eine passende Playlist zum Beitrag. Wenn sie dir gefällt, würde es mich freuen wenn du mir auf Spotify folgst. Eine Liste der bisherigen Playlists findest du HIER.

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Photos:
© Melanie Asböck | Melusina
Website: www.melusina.at
Instagram: @melanie.asboeck

4 Replies to “FOREVER YOUNG | Mutig wie unser inneres Kind”

  1. Sehr schön und ehrlich, mit Herz geschrieben! Ich hab nie den Glauben an dich verlorenen. Ich wusste immer, dass dein Kampfgeist größer ist und du immer wieder zurück in die richtige Richtung kommen wirst und so deinen Träumen einen Schritt näher kommst, auch wenn es manchmal Einbahnstraßen oder auch Umwege gibt. Ich gab dich lieb 😘😘😘

  2. Dein Weg, und der deiner Schwester, hätte auch anders verlaufen können. Du/Ihr habt das Beste daraus gemacht. Ich möchte euch nie aus den Augen verlieren, auch wenn es nur aus der Entfernung ist. Alles Liebe, Marie Anne

  3. Wenn ein Kind gehen lernt, fällt es unfassbar oft hin – dennoch steht es immer wieder auf und versucht es erneut.

    Sollte eigentlich unser aller Lebensmotto sein. I feel you, das erste mal richtig zu „versagen“ oder etwas nicht so erreicht wie man es geplant hat ist echt ein einschneidendes Erlebnis…

    Keep going – love the work <3

  4. Es gibt nichts Wunderbareres und Unbegreiflicheres und nichts, was uns fremder wird und gründlicher verloren geht als die Seele des spielenden Kindes.
    Hermann Hesse

    #Gottseidanksindwirkindsköpfe

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