TRUTH BE TOLD | Gehe ich mit meiner Ehrlichkeit zu weit?

Ich erhalte seit dem Start meines Blogs öfters Privat-Nachrichten von LeserInnen, die mir danken, dass ich mich in meinen Beiträgen mit meiner Ehrlichkeit nicht zurück halte und sie dazu bringe über ihr eigenes Leben nachzudenken. Auch flüchtige Partybekanntschaften sprachen mich an und meinten, sie wären überrascht darüber, wie “tiefgründig“ ich schreibe und, dass sie mich vorher für einen sehr oberflächlichen und stumpfen Menschen gehalten hätten. Während ich mich sehr über die Rückmeldungen freue, gibt es auch einige die genau das an meinen Texten kritisieren. Sie verstehen nicht wieso es „nötig ist“, offen und öffentlich im Internet über die eigenen Probleme und Gedanken zu sprechen.

Hier vergessen glaube ich einige, dass mein „Blog“ nicht zu der Kategorie gehört, in der ich laufend Beiträge über meine Liebe zu Avocados poste. Es ist momentan eher eine Art öffentliches Selbsthilfe-Tagebuch, indem man mich und meine Gedanken kennenlernen kann. Genau aus diesem Grund will ich manchmal meine Webseite gar nicht „Blog“ nennen. Nicht, dass ich mich besser oder schlechter als andere BloggerInnen fühle – ich denke nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht ganz das widerspiegle, was viele unter einem typischen „Blog“ verstehen.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

„Rest in Peace to myself.“

Vor allem der Text mit dieser Überschrift brachte viele Reaktionen. Einige haben sich nach dem Text sogar große Sorgen um mich gemacht und sahen dies als indirekten Hilferuf oder einen „düsteren Abschlussbrief“. Ich danke euch für die Anteilnahme, aber alles gut – eigentlich will ich damit genau das Gegenteil ausdrücken: Der Beitrag und vor allem generell meine Webseite gelten nämlich eher als großes „JA“ zum Leben.

Damals bereits angemerkt, dass Ausdrucks- und Herangehensweise bewusst dramatisch gewählt sind, steckt hinter dieser für mich sogar noch mehr Bedeutung, als manche vielleicht vermuten. Denn während ich auf der einen Seite symbolisch verdeutlichen will, alten Lasten und dem „alten Ich“ Lebewohl zu sagen, wuchs der Wunsch nach Veränderung tatsächlich durch ein leidtragendes Ereignis in meinem Leben.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

Plötzlich war alles anders…

Für mich war Zukunft immer ein wichtiges Thema, aber etwas das Zeit hat – bis mir vor Augen geführt wurde, wie schnell diese Zeit vergehen und sich von einen auf den anderen Tag alles ändern kann.

Nachdem ich einen, mir näherstehenden Menschen verloren hatte, kippte ich für einige Zeit in ein Tief. Dabei lernte ich Freundschaften mehr zu schätzen und dachte bewusster über mich und meinen Alltag nach. Ich realisierte, was die wichtigen Dinge für mich selbst sind und sein sollten und setzte mich direkt mit mir und meinen Gefühlen auseinander. Hierbei fiel mir immer wieder auf, wie surreal und unmenschlich sich viele nach außen geben und wie sehr auch ich, immer mehr zu einem „Plastik-Menschen“ geworden bin. Natürlich war an dieser Entwicklung so mancher künstlich wirkende Blog oder Instagram-Account nicht ganz unbeteiligt. Leicht lässt man sich nämlich täuschen und vergisst, dass die Internet-Inszenierung einiger fern von ihrem tatsächlichen Alltag ist – und orientiert sich dann fälschlicherweise trotzdem daran.

Dass man nicht jedem seine Problemen aufs Auge drücken will, verstehe ich – es sollte aber kein Tabu in der Gesellschaft sein, auch mal zu sagen „heute geht es mir nicht gut!“. Diese Ehrlichkeit vermisse ich vor allem im Internet. Kaum einer traut sich noch zuzugeben, dass man ein Mensch ist. Ein Mensch mit Höhen aber eben auch Tiefen. Genau deshalb habe ich diese Offenheit in meiner Schreibweise gewählt.

Lex Tyler © 2017, Melanie Asböck | Melusina

„Wie geht es dir?“ – oft endet die Ehrlichkeit schon hier…

Nach jedem „Hallo“ folgt meist, die Frage nach dem Wohlbefinden des Gegenübers. Selbst wenn uns innerlich nach schreien und heulen zumute ist, traue ich mich wetten, 90% antworten mit „mir geht es gut“. Man muss sich nicht jedem öffnen, aber für mich wirkt es oft so, als wäre es total verwerflich, wenn man sich doch mal jemanden offen anvertrauen will. Auch wenn ich froh bin, sehr tolle Freunde und eine unterstützende Familie um mich herum zu haben – irgendwie darf man außerhalb des engen Kreises, kein „Mensch“ sein. Sowohl die Schale als auch die Taten haben perfekt zu sein. Weder Ecken, noch Kanten. Poliert, geschniegelt, strahlend und korrekt.

Doch genauso wie man keine Schwächen zeigen darf, gönnt einem auch keiner, einen guten Tag. Lach mal laut in einem öffentlichen Verkehrsmittel – die Blicke der Fahrgäste sind entweder komplett überfordert und verunsichert oder aggressiv und verurteilend. Als hättest du etwas verbrochen. Als müsstest du dich entschuldigen, dass du gute Laune hast. Am besten ist es, man ist stumpf, lautlos und „funktioniert“.

Das sehe ich eben nicht so – sondern genau anders. Ich finde, wir müssen aufhören uns für unsere Gefühle, Ehrlichkeit und Menschlichkeit zu schämen und viel mehr anfangen dazu zu stehen. In diesem Sinne, werde ich auch weiterhin auf diese Weise meine Beiträge gestalten und freue mich natürlich auch weiterhin auf euer ehrliches Feedback.


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12 Replies to “TRUTH BE TOLD | Gehe ich mit meiner Ehrlichkeit zu weit?”

  1. Hey Lex,

    auch ich finde deine Ehrlichkeit gut und mir gefällt wie und was du schreibst. Aber es gibt natürlich immer jemanden der etwas zu kritisieren findet. Ich habe meinen Blog schon etwas länger, schreibe aber erst seit kurzem etwas persönlichere Texte, über Erlebnisse, meine Sichtweise und darüber was mir so durch den Kopf geht.

    Ich stimme dir voll und ganz zu, dass wir aufhören müssen uns ständig für irgendetwas zu genieren. Das Leben wäre dadurch einfacher! Außerdem sind wir schließlich keine Maschinen, die nur funktionieren müssen. Wir haben halt alle so unser Päckchen mitzutragen. Warum sollen wir also nicht darüber reden?!

    Gerade bei deinen Texten habe ich mir gedacht, dass es nicht nur für dich gut ist darüber zu schreiben, sondern sich viele damit in gewisser Weise identifizieren können.

    LG, Tina

  2. Lieber Lex,

    ich finde du hast mit allem was du sagst so recht! Vor allem bei der Passage, in der du das „Wie geht’s dir?-Problem angehst musste ich innerlich mehr als einmal enthusiastisch nicken. Genau darüber habe ich heute Nacht noch mit einem Freund gesprochen und mich aufgeregt, wie schlimm ich diese Frage eigentlich finde. Wenn ich wiederum jemanden frage, wie es ihm oder ihr geht, dann möchte ich es auch wirklich wissen. Aber ich habe genug davon, dass einem die Worte im Hals stecken bleiben, weil man nicht recht weiß, was man antworten soll, man aber auch keine Kraft mehr hat zu lügen. Dass es uns allen soviel besser gehen könnte, wenn wir nur endlich den Mund aufmachen und offen über unsere Probleme und Ängste sprechen würden, scheinen so viele leider noch nicht verinnerlicht zu haben. Von daher danke ich dir für deinen Beitrag und hoffe, dass du deinen Leserinnen und Lesern auch weiterhin mit dieser Offenheit begegnest. Davon brauchen wir heute unbedingt mehr, gerade weil alles um uns herum so sehr glänzt und perfekt zu sein scheint. Danke!

  3. Man muss sein Herz nicht immer auf der Zunge tragen aber Ehelichkeit an sich ist etwas dass ich persönlich sehr schätze – auch im Internt. Ich hoffe du behältst es auch weiterhin in deinem Blog bei – weiter so 🙂

  4. Ich finde es auch wichtig ehrlich und offen über Sachen zu sprechen, die einem schwer fallen. So wie du schon sagst, ist es eine Art Selbsthilfe und besser als in ein schwarzes Loch zu fallen mit unvorhersehbaren Folgen! Mach auf jeden Fall weiter so 😊

  5. Ich freue mich gerade sehr, dass ich Dank unserer Facebookunterhaltung auf deinen Blog gestoßen bin; wie und vor allem was du schreibst, erinnert mich ein wenig an mich – tut gut, zu sehen, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken! 🙂

    Liebe Grüße
    Silja

  6. Auch wenn ich auf meinem Blog nicht so viele persönliche Gedanken und Erlebnisse von mir Preis gebe, so finde ich solche Beiträge immer sehr lesenswert. Es ist schließlich dein Blog und was du für Gedanken darin festhältst, entscheidest schließlich nur du – das ist ja das Schöne an solch einem virtuellen Tagebuch! Also schreib deine Gedanken weiter so ehrlich auf, wie du es bis jetzt gemacht hast. Alles liebe Marie

  7. Ich finde es toll dass du deine Leser an deinen Gedanken teil haben lässt … leider ist das in der vorwiegend oberflächlichen Blogger-Welt viel zu selten. Danke dir dafür!

    Alles Liebe und mach unbedingt weiter so :-)!
    Liebe Grüße aus Wien
    Verena

  8. Sehr wahre Worte! Auf das allgegenwärtige „Hallooo, na wie geht’s?“ möchte ich manchmal einfach etwas anderes als „Gut! Und dir?“ sagen um die Reaktion meines Gegenübers zu sehen.
    Ich wünschte es würden nur die fragen, die es wirklich interessiert.
    Danke für deinen Einblick und deine anregende Art für mehr Offenheit!

    xx,
    Jasmin
    http://www.dolcepetite.com

  9. Emre x emvoyoe sagt: Antworten

    Toller Post!

    Grüße
    Emre x emvoyoe
    http://www.emvoyoe.de

  10. Über die Sache mit den Instagram-Fotos fernab von jeglicher Realität habe ich auch schon ‚mal einen Beitrag verfasst, hier findest du ihn, falls er dich interessiert: http://www.thesophisticatedsisters.com/2017/07/du-bist-genug.html/

    Ich bin ganz bei dir, wir leben leider in Zeiten, in denen Oberflächlichkeit und Konsum Nächstenliebe und Zufriedenheit verdrängt haben. Ob sich dies irgendwann wieder ändern wird oder wir auch weiterhin in diese bedenkliche Richtung segeln – wird wohl erst die Zukunft zeigen.

    Alles Liebe,
    Eva
    http://www.thesophisticatedsisters.com

  11. Ich finde es sehr wichtig, solche ehrlichen und offenen Posts zu veröffentlichen!

  12. Gerade die Ehrlichkeit ist es, die manche Blogbeiträge so besonders machen. Deshalb: Vollstes Verständnis und vollste Unterstützung zu deiner Ehrlichkeit in deinen Texten. Damit hebst du dich vom großen Einheitsbrei sehr positiv ab!

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